Green Ground Denim Guide - Teil 3

Teil 3: Wer hat hier jetzt die Hose an? Die modernen Denim-Pioniere.

Ein Interview mit Green Ground-Gründerin Kathrin Haumer.

 ein Artikel von Simonne Baur

Einige Produzenten haben erkannt, dass es höchste Zeit ist, den katastrophalen Erzeugungsmethoden der Jeans etwas entgegenzusetzen. Sie hatten sprichwörtlich „die Hosen an“ und leisteten in Sachen Demin moderne Pionierarbeit. Im Green Ground treffen die Jeansmarken dieser Denim-Pioniere aufeinander, ausgesucht von Inhaberin Kathrin Haumer. Seit mittlerweile 8 Jahren verkauft sie Jeans, die strengen Kriterien standhalten: hergestellt aus biologisch angebauter Baumwolle, gewebt und genäht in zertifizierten Webereien und Textilfabriken, gefärbt mit echtem Indigo oder ungiftigen synthetischen Farben, geringer Wasserverbrauch, relativ kurze Transportwege. Echte Öko-Jeans also, denen das, was man sich einst unter „Öko“ vorstellte, ganz und gar nicht anhaftet.

 

Erkennt man eine „Öko-Jeans“ auf den ersten Blick? Und was unterscheidet sie von konventionellen Denims?

 

„Moderne Herstellungsmethoden ermöglichen mittlerweile eine große optische Bandbreite. Die Marken sind dadurch in der Lage ganz individuelle Designs zu erschaffen; und in punkto Aussehen und Qualität können sie dabei mit konventionellen Markenprodukten auf jeden Fall mithalten.

Bei unterschiedlichen Schnittformen, Farbnuancen und jeweils typischen Details haben Öko-Jeans nur mehr eines gemeinsam: sie wurden ohne schädliche Chemikalien hergestellt. Und die Menschen, die die erforderlichen Arbeitsschritte zur fertigen Hose leisten, tun das unter Arbeitsbedingungen, die mindestens den Anforderungen der Fair Wair Foundation entsprechen, und sie werden fair entlohnt.“

 

Sind diese Jeans deshalb teurer?

 

„Ja, wenn man sie auf dem ersten Blick mit billiger Massenware vergleicht, bei der aber andere anderswo draufzahlen. Und Nein, wenn man sie mit Jeans angesagter Designermarken vergleicht, von denen viele ebenso kaum auf erforderliche Umwelt- und Arbeitsstandards Rücksicht nehmen. Letztlich kommt uns aber alles teuer, was Schaden, Leiden und Umweltverschmutzung bedeutet, manchmal direkt, manchmal auf Umwegen.“

 

Immer mehr Menschen beginnen bewusstes Einkaufen auch auf ihre Kleidung zu beziehen. Wie war das damals vor acht Jahren als du das Green Ground eröffnet hast? Hat sich seitdem mehr Bewusstsein gebildet?

 

„Am Anfang war schon viel Aufklärungsarbeit dabei. Nur Wenige konnten mit dem Begriff „grüne Mode“ etwas anfangen. Die meisten Gespräche verliefen aber durchwegs positiv und ich war überrascht wie wichtig den Menschen Umweltschutz sowie bessere Arbeitsbedingungen sind. Es mangelte einfach nur an den Alternativen!

Heute bringen unsere KundInnen schon ein Wissen über die Hintergründe der Modeproduktion mit. Dennoch, allgemein ist mehr Information über die Produktionsverhältnisse notwendig. Denn insgesamt ist die konventionelle Textilindustrie nach wie vor der weltweit zweitgrößte Verursacher von Umweltverschmutzung! Und die Arbeitsbedingungen sind größten Teils katastrophal. Und gerade die Produktion von Jeans ist, was umwelt- und humantoxikologische Auswirkungen angeht, eine der problematischsten in der Textilbranche!“

 

Was ist so besonders schlimm bei der Jeansproduktion?

 

Besonders beim Färben und beim Finish von konventionellen Jeans werden unzählige Chemikalien eingesetzt wie z.B. Kaliumpermanganat, das zu Lungenschäden bei den ArbeiterInnen führt. 

Außerdem werden enorme Mengen an Wasser verschmutzt. Der Erfinder des stone washed“- Verfahrens, Francois Girbaud, musste selbst erkennen, wie sehr Mensch und Umwelt unter dem Boom der ausgewaschenen Jeans gelitten haben und noch immer leiden. Flüsse in vielen Gebieten der Welt wurden auf Jahrzehnte mit schädlichen Chemikalien kontaminiert. Seit vielen Jahren setzt er sich daher r umweltschonendere Verfahren ein, wie die Ozonbleiche des spanischen Maschinenherstellers Jeanologia.

 

Wie funktioniert umweltschonende Bleichung?

 

Die Jeans werden dabei computergesteuert in einer Art riesigerWaschmaschinemit Ozon behandelt, wodurch die Indigofärbung so weit wie gewünscht oxidiert und in nur einem Schritt ausgewaschen werden kann. Die Jeans schauen dann aus wie stone-washed, sind es aber nicht! Jeanologia gibt an, dass bei einer Ladung mit 100kg Füllmenge pro Hose etwa 60 Prozent Energie, 65 Prozent Wasser und 85 Prozent Chemikalien gegenüber konventionellen Verfahren eingespart werden. Ebenso wesentlich umweltfreundlicher als bei herkömmlichen Bleich-Methoden kann durch Lasertechnologie jede gewünschte Spur oder Zeichnung in den Jeansstoff gebranntwerden. Es geht also auch anders und es liegt  immer wieder in unserer Kaufentscheidung, welche Form und Folgen von Produktion wir unterstützen wollen und können.“

 

Welche Passform von Jeans man will, ist natürlich auch ausschlaggebend für die Kaufentscheidung. Gibt es denn eine vergleichbare Auswahl an „guten“ Jeans?

 

„Die Jeansmarken der Öko-Denim-Pioniere haben durchaus eine große Auswahl zu bieten. Diese reicht von unterschiedlichen Waschungen und Färbungen zu ganz unterschiedlichen Passformen, eng anliegende Skinny- oder Slimformen, gerader Beinschnitt oder Bootcut, mit jeweils unterschiedlich hüftigem oder höher in der Taille angesetztem Bund. Wir versuchen einen Querschnitt an gängigen Modellen für Frauen und Männer zu bieten. Natürlich hoffen wir in Zukunft ein noch größeres Sortiment zu haben um jedem Kundenwunsch gerecht zu werden.“

 

In deinen Jeansregalen finden sich unterschiedlichste Marken wie Good Society, Armed Angels, Wunderwerk und relativ neu nun Jeans der Marke K.O.I. Was gibt es zu den einzelnen Herstellern zu erzählen?

 

„Sehr beliebt sind z.B. die Modelle von Kuyichi. Diese Marke entstand 2001 in den Niederlanden und war die erste Firma die ausschließlich Öko-Jeans im Sortiment hatte. Kuyichi produziert die Ware in ausgesuchten Textilfabriken in der Türkei und in Tunesien, bei denen auf soziale Standards, Umweltverträglichkeit und Qualität geachtet wird. Es war schön zu sehen wie sich eine innovative „Öko“-Marke zunehmend einen Namen im hart umkämpften Mode-Business gemacht hat. Umso mehr hat uns zunächst die Meldung einer Insolvenz dieses Jahr betroffen gemacht. Aber dann hat sich gezeigt, dass hier Menschen hinter einer Idee stehen: die MitarbeiterInnen haben sozusagen den Laden übernommen und werden nun die etwas schlanker gewordene Marke weiterführen. Auf die weitere Entwicklung dürfen wir gespannt sein…“

 

Als Alternative zu Kuyichi hast du dieses Jahr die Marke K.O.I. im Shop eingeführt. Was steht hinter der Abkürzung K.O.I. und diesem Neuzugang?

 

„Es ist eine Abkürzung für „Kings of Indigo“, aber auch eine Anspielung auf den KOI-Fisch, der gegen den Strom schwimmt und Glück bringen soll. Das ist sehr passend, wer ökologisch und fair produziert schwimmt immer noch gegen den breiten Strom der Masse. Das niederländische Label des Kuyichi- Mitbegründers Tony Tonnaer begann 2010 mit der Herstellung von nachhaltigen Jeans in modernem Design. Herzstück der Marke ist das "Triple R" Prinzip: Recycle, Repair und Re-Use. So werden z.B. für die Herstellung der Denims neben GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle auch recycelte Baumwollfasern aus Stoffresten oder Altkleidern verwendet. Der Stoff ist mit echtem Indigo gefärbt, ist umweltschonend ozonbehandelt und greift sich angenehm weich an. Und sollte eine Jeans mal kaputt werden, kann man sie mit dem K.O.I Repair Kit wieder tragetauglich machen - diese Idee gefällt mir, wir werden bald ein Repair Kit im Laden anbieten!“

 

Mehrere Jeans-Modelle gibt es auch von Good society und Armed Angels zu probieren. Was haben diese Marken zu bieten?

 

„Die Marke Armed Angels bietet neben den Hauptkollektionen auch gut geschnittene Jeans in aktuellen Passformen an, die wir gern im Sortiment haben. Die Marke Good Society gehört auch zu den ersten Pioniermarken. Die Jeans werden in Italien designt und mehr als 95 Prozent der verwendeten Materialen werden auch in Italien hergestellt. Die GOTS-zertifizierte Baumwolle kommt aus Indien und Pakistan. Außerdem sind die Jeans vegan, haben also kein Lederpatch am Bund. Die Modelle sind echte Klassiker in unserem Sortiment. Besonders die „Raw“-Jeans - also ein dunkler Denim ohne Auswaschungen- sind wegen ihrer schlichten Eleganz sehr beliebt. Diese Jeans kann man auch im Büro tragen.“

 

Was ist unter der Bezeichnung „Raw“ zu verstehen?

 

„Raw" bedeutet, dass die Jeans gar nicht oder nur einmal vorgewaschen wurde, aber nicht weiter behandelt, also künstlich „gealtert“ wird. Daher ist die Jeans eher einheitlich dunkel gefärbt. Sie wäscht sich erst mit der Zeit etwas aus und erhält allmählich durch den Prozess des Tragens die individuellen „used“-Spuren. Das kommt der ursprünglichen „echten“ Jeans am nächsten und ist aus ökologischer Sicht natürlich die beste Variante!“

Das Interview wurde geführt von: Simonne Baur

 

 

 

Unser Thema im Mai: Grün, grün, grün sind alle meine Kleider! Wie kommt die Farbe ins Gewand?

Mit dem Frühling beginnt auch immer die Sehnsucht nach neuen, frischen Farben für den Kleiderschrank. Aber wer entscheidet eigentlich die "Farbtrends" der Saison? Und welche Prozesse sind notwendig bis die neue Lieblingsfarbe schließlich im Kleiderschrank landet?