Zum Abschluss unseres 10Jahres-Jubiläums wollen wir aus erster Hand mehr über die Gründungsidee zu dem etwas anderen "Öko-Laden" erfahren.

10 Fragen an Green Ground-Gründerin Kathrin Haumer

  • Vor zehn Jahren war ökologisch hergestellte und fair produzierte Bekleidung kein Thema in der Modebranche. Wie bist du auf die Idee gekommen einen Store nur für Öko-Mode zu gründen? 

Vor zehn Jahren war Ökomode zwar noch nicht in aller Munde, aber das Gegenteil, also fast fashion wurde immer populärer. Ich habe direkt nach meinem Modedesign-Studium im Textilbereich gearbeitet und hautnah miterlebt, wie dieser Trend sich auf die ganze Branche negativ auswirkte. Nähereien in Europa wurden geschlossen, weil sie zu teuer waren, und viele Einzelhändler konnten mit den großen Textilketten nicht mehr mithalten und mussten schließen. Die Preise und damit die Qualität nahmen rapide ab, denn es wurde immer mehr und immer schneller produziert. Ich wollte da nicht mehr mitmachen und habe nach Marken Ausschau gehalten, die ich guten Gewissens anziehen kann. Ich war Mitte 20 und wollte natürlich trotzdem weiterhin schöne Sachen tragen, die ich mir aber auch leisten kann. Das war wirklich eine Herausforderung! Ich habe das meiste online bestellt, da es keine Shops in Wien gab. Da habe ich angefangen über einen eigenen Shop nachzudenken.

  • Das Green Ground ist in der Porzellangasse 14 zu finden, im 9. Bezirk, dem Alsergrund - spielt der Name auf den Namen des Bezirks an, oder wie bist du darauf gekommen?

 Zu der Zeit, als ich die Idee zu dem Shop hatte, habe ich gerade viel Klassik gehört. Auf einer CD waren barocke Volkslieder, unter anderem "Greensleeves to a Ground". Ich dachte daran den Shop "Greensleeves", also "grüne Ärmel" zu nennen, fand das aber phonetisch nicht so gut.  Als ich dann den Shop im Alsergrund entdeckt, dachte ich dann an "Green Ground". "Ground" hat ja im Englischen viele Bedeutungen, unter anderem "Erdoberfläche", aber auch "Erdung", und "common ground" bedeutet "Gemeinsamkeit". Und in der klassischen Musik, eben wie in "Greensleeves", ist es eine eingängige Grundmelodie die sich immer in Variationen wiederholt. Diese verschiedenen Bedeutungsebenen haben mir gefallen.

  • Wie war 2008 dein Eindruck vom Angebot von ökologischer Mode?

Es gab nur wenige eher kleine Marken, die sich aber mit großem Enthusiamus und guten Ideen als Pioniere hervorgetan haben. Vor 10 Jahren ging es vor allem noch um die Aufklärungsarbeit und darum zu zeigen dass Bio-Mode das Potenzial hat sich am Markt zu behaupten. Dazu kam die Finanzkrise 2008, und es gab keine Banken oder größere Investoren die an die Sache glaubten. Daher war die Auswahl sehr bescheiden. Mit 5 oder 6 Lieferanten auf 40 m² Verkaufsfläche konnte ich dann trotzdem angefangen.

  • Was hat sich seither in der Branche verändert?

Es gibt viel mehr Auswahl bei den Stoffen und zertifizierten Betrieben. Mit der Slow Fashion Bewegung kamen auch viele Jung-DesignerInnen dazu mit einem guten Gespür für Trends. Das hat die Öko-Mode vielseitiger gemacht, sie ist jetzt mehr am Puls der Zeit.

Einiges wird in diesem Nischenmarkt hoffentlich immer bleiben, zum Beispiel der faire und kollegiale Umgang miteinander. Das ist in der Modebranche einzigartig!


Fotos by Davina Brunner, Quelle: https://www.meinbezirk.at/alsergrund

  • Wie viele Labels sind derzeit in deinem Laden vertreten?

Es sind etwa 20, inklusive Schmuck und Underwear. 

  • Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit eine Kollektion in deinen Store aufgenommen wird?

Die Stoffe müssen zertifiziert sein, sofern es Zertifikate für das Material gibt. Hanf und Tencel z.B. können (noch) nicht zertiziert werden. Dann muss die Transparenz gewährleistet sein, und das Vertrauen zum Lieferanten muss da sein.

Die Sozialstandards in den Fabriken müssen hoch sein. Ab der Färbung bis zur Konfektion sind die Betriebe dann zumeist wieder zertifiziert, d.h. sie werden regelmäßig auditiert und müssen strenge Auflagen erfüllen. Es gibt aber auch viele Firmen, die ausschließlich in Europa nähen lassen. Das ist generell ein Trend, dass man die Produktion wieder nach Europa zurückbringt.

  • Du hast eine gute Nase für Trends. Wie suchst du das Sortiment fürs Green Ground aus?

Mir sind vor allem die Rückmeldungen unserer KundInnen wichtig. Leider ist das Angebot noch nicht so groß und der Laden zu klein dass wir alle Wünsche erfüllen können, aber ich bemühe mich immer im Einkauf das zu finden, was gefragt ist.

Das Grundsortiment besteht immer aus hochwertigen Basics in verschiedenen Preisklassen, vom T-Shirt über Jeans bis hin zu Unterwäsche. Bei den wechselnden Kollektionen lasse ich mich von Fachmessen, unseren Lieferanten und auch allgemeinen Trends und Tendenzen inspirieren.

  • Wie sieht die Öko-Mode der nächsten Generation aus? 

 Minimalismus ist wieder im Kommen. Aber nicht der Schwarz/Weiß- Minimalismus der 90er Jahre, sondern natürlicher und unprätentiöser. Menschen weltweit räumen derzeit ihre Kleiderschränke aus und fragen sich bei jedem Teil: brauche ich das wirklich? Alles was nicht gut kombinierbar und vielseitig ist fliegt raus. Die sogenannte "Capsule Wardobe" ist da eine Zukunftsvision, in der wir mit 10-15 Teilen die ganze Saison über gut angezogen sind ohne dass uns etwas fehlt.

Das ändert natürlich auch das Konsumverhalten an sich und wird auch für Shops wie uns Veränderungen mit sich bringen.

  • Gibt es neue Materialien für Kleidung?

Das Meer wird die nächsten Jahre (oder besser gesagt Jahrzehnte) vom Plastikmüll befreit. Aus einem Teil dieses Abfalls lässt sich Recycling-Material herstellen. Daraus werden Jacken, aber auch Schuhe und Taschen. Das ist sicherlich ein großes Thema derzeit.

Auch Tencel entwickelt sich weiter, es gibt neue Varianten die sich wirklich wie reine Seide anfühlen. Im Frühjahr werden wir erstmals ein Top daraus von der Firma "Ecoalf" vorstellen.

Für mich ist derzeit allerdings auch vorrangig, wieder mehr Naturmaterialien in das Sortiment zu bringen. Technologische Weitereintwicklungen sind toll und wichtig für die Branche, aber Stoffe wie Bio-Baumwolle oder Leinen sind vom Tragegefühl her einfach unersetzbar.

  • Und zum Schluss: Was wünscht du dir für die nächsten zehn Jahre?

Der bescheidene Wunsch: Noch mehr und besser auf die Wünsche unserer KundInnen eingehen zu können. Der nicht so bescheidene Wunsch: eine Wirtschafts-Revolution damit wir aus diesem Teufelskresi des ständigen Wachstums rauskommen.