Bunte Vielfalt ohne Gift

Teil 4 unseres Themenblogs: Farbe

 

Grün, grün, grün sind alle unsere Kleider! Aber wie kommt die Farbe ins Gewand?

Im vierten und letzen Teil der Themenrubrik wird es uns zu bunt: Farben als schwerwiegende Belastung für Mensch und Umwelt.

 

 

Seit der Erfindung der sogenannten Azofarbstoffe aus Teer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat sich eine ganze Industrie zur Färbung, "Veredelung" und "Ausrüstung" von Textilien entwickelt. Ein Kleidungsstück besteht meist nicht nur aus dem Stoff, der auf seinem Etikett steht. 100 % Baumwolle zum Beispiel sagt somit noch nichts aus über die Verträglichkeit der „Naturfaser“. Vielmehr ist diese eingehüllt in Farbe, Anti-Bügel-Imprägnierung und Weichmacher. Zusätzlich werden meist auch Bakterizide und Fungizide beigefügt, um Fasern resistent gegen Bakterien und Pilze zu machen. Auch Formaldehyd, Epoxidharz und Dispersionsfarbstoffe aus der Verarbeitung können als Rückstände auf der Kleidung bestehen bleiben. Unglaublich, aber: Die verwendeten Chemikalien machen oft sogar den größten Teil des Gewichts eines Kleidungstücks aus!

  

 

Insgesamt werden rund 7000 Chemikalien in der Textilproduktion eingesetzt und ein Großteil der Chemikalien wird zum Färben der Textilien verwendet. Die bunte und billig herzustellende Vielfalt zeigte schon bei zahlreichen Test die dunkle Seite des Färbens. Mittlerweile sind Azofarbstoffe, die giftige oder krebserzeugende Amine freisetzen können, in der EU für Gebrauchsgegenstände verboten.

Sie dürfen weder zur Stofffärbung, noch für Schmuck  und keinesfalls für Kosmetikartikel und Tätowierungen angewendet werden. Aber kaum ein Kleidungsstück, das in der EU verkauft wird, wird auch hier erzeugt.

Insgesamt macht bei Bekleidung der Import aus Asien 90 Prozent aus! Bei der importierter Ware werden zwar regelmäßig Stichproben durchgeführt, aber Tests von Konsumenten- oder Umweltschutzorganisationen zeigen immer wieder, wie belastet konventionelle Textilien sind, die wir hier in den Läden der billigen aber auch teuren Modeketten kaufen. Denn Bekleidungstextilien sind weder anmelde- noch zulassungspflichtig und müssen daher keine strenge Prüfung und Zulassung für den Markt durchlaufen. Daher sind die Behörden nicht über alle Textilhilfsmittel und Farbmittel informiert. Die Empfehlung lautet daher, neue Kleidung vor dem Tragen immer zuerst einmal zu waschen. Aber die Chemikalien verschwinden dadurch ja nicht einfach, sie gelangen über die Abwässer in die Umwelt.

 

 Zertifizierte Öko-Textilien haben strenge Auflagen bei Farbstoffen

Bildquelle: http://www.global-standard.org/de

 

Was ist sicher?

 

„Sicher ist: Ein Drittel aller Chemikalien weltweit landet in der Kleidung – die meisten davon sind allerdings nie für den Hautkontakt vorgesehen gewesen.“, schrieb Autorin Kirsten Brodde in ihrem Buch „Saubere Sachen“ aus dem Jahr 2009. Daran hat sich noch nicht viel geändert, doch es gibt Hoffnung, wenn immer mehr Menschen davon erfahren und darauf reagieren. Oder noch besser: beginnen dagegen zu agieren! Denn reagieren tun schon viele ohne den Grund dafür zu kennen, nämlich allergisch. Etwa zwei Prozent aller Kontaktallergien, die in deutschen Kliniken wegen Kontakt mit verschiedensten giftigen Chemikalien behandelt werden, sind auf Textilfarben aus der Kleidung zurückzuführen. Gifte, die sich in Kleiderstoffen finden, können auch über die Haut aufgenommen werden und belasten so innere Organe. Dr. Arne Menzdorf vom Allergienetzwerk gibt an, dass bei derzeit etwa 800 gebräuchliche Textilfarben 49 Farbstoffe Kontaktallergene sind. 

Um sicher zu sein, keine Giftstoffe direkt auf der Haut zu tragen und beim Waschen nach und nach in die Umwelt zu spülen, kann man zu zertifizierter ökologisch und giftfrei hergestellter Kleidung greifen, und es ist sehr erfreulich zu sehen, was dieses im Verhältnis bisher noch kleine Marksegment mittlerweile an Auswahl und bunter Vielfalt zu bieten hat.

 

Bildquelle: www.hempage.de

 

Wie weiß man, ob ein Kleidungsstück giftfrei gefärbt wurde?

 

Farbe ist nicht gleich Farbe, auch für zertifizierte ökologisch hergestellte Mode werden synthetisch erzeugte Farbstoffe verwendet, aber diese sind auf ihre Unbedenklichkeit geprüft. Stoffe und Bekleidung, die zum Beispiel mit dem GOTS-Zertifikat (Global Organic Textile Standard) gekennzeichnet sind, unterliegen strengen Auflagen:

Bildquelle: http://www.global-standard.org/de

 

•Alle chemischen Zusätze (z.B. Farbstoffe, Hilfsmittel und Prozesschemikalien) müssen vor dem Einsatz geprüft werden und die Grundanforderungen bezüglich Toxizität und biologischer Abbaubarkeit/Eliminierbarkeit erfüllen.

•Verbot problematischer Zusätze, wie z. B. toxische Schwermetalle, Formaldehyd, aromatische Lösungsmittel, genetisch veränderte Organismen (GVO) und deren Enzyme.

•Die Verwendung synthetischer Schlichtemittel ist beschränkt; Öle für Strick- und Webmaschinen dürfen keine Schwermetalle enthalten.

•Bleichmittel müssen auf Sauerstoff basieren (keine Chlorbleiche)

•Azofarbstoffe, die karzinogene Aminverbindungen freisetzen, sind verboten.

•Ätzdruckverfahren, die aromatische Lösungsmittelenthalten und Plastisol-Druckverfahren, die Phthalate und PVC verwenden, sind verboten.

 

Wäre Pflanzenfärbung nicht umweltfreundlicher?

 

Auch wenn der Farbstoff aus Pflanzen stammt, bedeutet das noch nicht, dass die Färbung giftfrei ist. Für Pflanzenfarben werden häufig Schwermetalle oder Metallverbindungen eingesetzt, um ein Ausbluten der Farben beim Waschen zu verhindern. Eine umweltfreundliche Färbung mit Pflanzenfarben und gleichzeitig intensive, haltbare Farben sind nicht leicht zu erreichen.  

Das niederländische  Jeans-Label KOI zum Beispiel hat aber wieder mit echtem Indigo gefärbten Denimstoff im Programm. Der kräftige Farbstoff aus Indigo ersetzte in der Frühen Neuzeit die in Europa verbreitete Waidfärberei. Für die Farbentwicklung werden aber heute andere Mittel und Methoden als im Mittelalter eingesetzt! (Siehe:Teil 3: Geheimnisse aus der Geschichte der Textilfärberei)

 

 Bildquelle: https://www.kingsofindigo.com

 

 Mit natürlichem Indigo gefärbter Stoff. Heute wird die Farbe fast ausschließlich synthetisch erzeugt.  

Bildquelle:  https://de.wikipedia.org/wiki/Textilchemikalien

 

 

Sicher bunt!

 

Mit echtem Indigo gefärbte Kleidungsstücke können beim ersten Waschen ein wenig ausfärben, was der typischen Jeansoptik entspricht. Die giftfreien synthetischen Farben, mit denen Biobaumwolle, Hanf, Leinen, Seide oder Modalstoffe gefärbt werden, sind aber meistens ebenso waschecht wie konventionelle Färbungen. Und da keine bedenklichen Substanzen enthalten sind, werden auch keine ins Grundwasser ausgespült. Das ist gut für die Umwelt und jedenfalls sicherer für unsere Gesundheit, da keine unnötigen Allergene und Schadstoffe direkt an unsere Haut kommen.

 

Ein Artikel von Simonne Baur

 

 

Hier geht es zu Teil 3: Geheimnisse aus der Geschichte der Textilfärberei

Hier geht es zu Teil 2: Die Farbwahrnehmung im Blick

Hier geht es zu Teil 1:Wie entstehen Farb-Trends?