Green Ground Themenblog: Farbe

Teil 2: Von Lieblingsfarben, immergrünen Kleidern und errötenden Tomaten

 

Grün, grün, grün sind alle meine Kleider! Aber wie kommt die Farbe ins Gewand?

In Teil 2 der neuen Rubrik haben wir die Farbwahrnehmung im Blick. 

 

Die Frühlingsmode weckt die Lust mal wieder neue Farben auszuprobieren, oder man freut sich eine bestimmte Farbe im aktuellen Sortiment anzutreffen, die einen ganz besonders anspricht. Denn Farben wecken Stimmungen und Gefühle. Die Farben, die uns anziehen und Farben, die wir anziehen, unsere Lieblingsfarben, sind Teil unserer Identität. Und Farben, die wir ablehnen und niemals tragen würden, stehen dazu in einem bestimmten, vielleicht unbewussten Verhältnis. Oder wir befinden, dass uns manche Farben einfach nicht stehen im Verhältnis zu unserer Haut-, Haar und Augenfarbe. Einer anderen Person passen diese Farben optimal oder dieselbe Farbe macht plötzlich einen ganz anderen Eindruck. Dafür gibt es einen Grund, denn Farben werden immer nur im Verhältnis zu den unmittelbar umgebenden Farben wahrgenommen.

Aber was ist eigentlich Farbe?

Die Farbe, eine alltägliche selbstverständliche Eigenschaft - diese Weste ist rot und dieses Hemd weiß - , entzieht sich aber beim Nachdenken darüber jeder eindeutigen Definition. Selbst jener der Deutschen DIN-Norm: Farbe ist diejenige Gesichtsempfindung eines dem Auge strukturlos erscheinenden Teiles des Gesichtsfeldes, durch die sich dieser Teil bei einäugiger Beobachtung mit unbewegtem Auge von einem gleichzeitig gesehenen, ebenfalls strukturlosen angrenzenden Bezirk allein unterscheiden kann. Oder einfacher gesagt: Farbe ist also das, was man unterscheiden, aber an sich nicht beschreiben kann!

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Boy_in_the_Red_Vest.jpg

 Paul Cézanne, Der Knabe mit der roten Weste, 1888–1890, Stiftung Sammlung E. G. Bührle, Zürich. Quelle: Wikipedia

 

Viel tiefsinniger erklärte es der Künstler Paul Cézanne: Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen. Und damit ist der Vorgang der Farbwahrnehmung tatsächlich am Besten beschrieben. Denn die Augen, genauer die Sinneszellen der Retina wandeln die Lichtreize mit Hilfe lichtempfindlicher Moleküle in elektrische Signale um in die Spracheder Nervenzellen und des Gehirns.

Wie nehmen wir Farben wahr?

Voraussetzung ist zunächst, dass Licht auf Gegenstände trifft. Es wird teilweise vom Gegenstand z.B. einem Stoffgewebe absorbiert und teilweise reflektiert. Je nach reflektierter Wellenlänge des Lichtes reagieren unsere Sinneszellen, sogenannten Zapfen und Stäbchen in der Netzhaut des Auges. Das Farbsehen wird uns durch drei Zapfentypen (insgesamt ca. 7 Millionen) ermöglicht, die unterschiedlich auf  kurz-, mittel- oder langwelliges Licht (blau, grün und rot) empfindlich sind. Erstaunlich ist, dass dabei immer alle drei Zapfentypen gleichzeitig reagieren, aber erst aus dem Verhältnis dieser Reaktionen die Farbwahrnehmung in unserem Gehirn errechnet wird.

Ich seh, ich seh, was du nicht siehst, und das ist rot?

Farben sind demnach immer ein Produkt unserer Sinne. Die farbigen Sinneseindrücke entstehen in unserem Gehirn. So etwas wie normales, für jeden gleiches Farbsehen existiert nicht: Neue Forschungsergebnisse (Medical College Wisconsin) zeigen, dass die Farbwahrnehmung individuell ist. Allein für den Farbeindruck „rotsind einer Studie zufolge bis zu vier verschiedene Gene verantwortlich und jeder Mensch trägt ein individuelles „Musterdieser Gene und somit auch verschiedene Typen von Fotorezeptoren auf seiner Netzhaut. 

           

 Abb. links: Paul Cézanne, Hortense in rotem Kleid, um 1890, Museu de Arte, Sao Paolo, Quelle: Wikipedia

Abb. rechts: Quelle: armedangels

 

Vielleicht erklärt das, warum manche bestimmte Farbkombinationen mögen und andere befinden, dass sich diese Farben schlagen? Zum Teil, denn das hängt auch von Konventionen oder Gewöhnung an neue Moden ab.Die Farbwahrnehmung ist jedenfalls eine subjektive und aktive Tätigkeit, die aber gesetzmäßigen Beziehungen zwischen dem Phänomen Licht mit seinen Wellenlängen und dem persönlichen Eindruck folgt.

 

Errötende Tomaten und immergrüne Kleider: Erwartungshaltung und Farbkonstanz

     

 Quelle: lanius

 

Das Farbsehen hängt aber nicht nur von der Wellenlänge (blau, grün oder rot) und der Intensität des Lichtes ab, sondern auch davon, ob wahrgenommene Muster als Gegenstände erkannt werden. So sehen wir aufgrund unserer Erwartungshaltung z.B. Bananen gelber oder Tomaten leuchtend röter als sie in einem Farbvergleich sind. Aufgrund dieser Fähigkeiten und des uns bekannten natürlichen Sonnenlichtspektrums werden erwarteteFarben auch bei einer stark veränderten Lichtsituation als konstant errechnet. So kommt es, dass das neue hellgrüne Kleid oder der blaue Pullover in der Dämmerung immer noch als hellgrün oder blau wahrgenommen werden, obwohl bei diesen schwachen Lichtverhältnissen eigentlich nur mehr Grauschattierungen gesehen werden.                                         

                                                                  

Quelle: www.recolution.de

 

Da Kleiderfarben nicht nur in der Dämmerung optisch konstant, sondern auch beim Waschen farbfrisch bleiben sollen, stellt sich im nächsten Green Ground-Themenblog die Frage: Wie kommt die Farbe eigentlich in den Stoff?

Hier geht es zu Teil 1: Wie entstehen Farb-Trends?

ein Artikel von Simonne Baur